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Bündnis gegen Abschiebehaft Rottenburg / Tübingen |
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»Eine Gesellschaft, die Menschen abschiebt, sollte auch deren Geschichte kennen.«
Bei jedem Besuch in Abschiebehaft trifft man auf verzweifelte Menschen, denen durch die bevorstehenden Abschiebung der Boden unter den Füßen weg gezogen wird. Einige Abschiebehäftlinge leben bereits 15 Jahre und länger in Deutschland, viele sind hier längst zu Hause.
Die Veröffentlichung von Lebensgeschichten erfolgt auf ausdrücklichen Wunsch und in Rücksprache mit den jeweiligen Inhaftierten. Unzählige menschliche Katastrophen tauchen hier nicht auf - z.B. weil zu befürchten ist, dass die Veröffentlichung im Land der Abschiebung zu weiteren Repressionen führt.
(19.05.2010 19:41) Am 13. Mai 2010 brach in einem Wohncontainer für Abschiebehäftlinge in der JVA Mannheim ein Feuer aus. Dabei wurden zehn Menschen verletzt - zwei davon schwer. Mittlerweile sind die beiden Marokkaner wieder aus dem Koma erwacht. Der Online-Seite der Wormser Zeitung entnahmen wir am 19.5., dass es sich dabei nach derzeitigen Ermittlungen nicht um einen Unfall gehandelt hat, sondern ein Inhaftierter dieses Feuer verursachte. Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile einen Haftbefehl wegen Brandstiftung erlassen.
(27.4.2010 13:13) Soeben erreicht uns die Nachricht, dass Sait Aslan aus der Abschiebhaft in Mannheim entlassen wurde. Das VG Karlsruhe hat im Eilverfahren entschieden, dass ein weiteres Asylverfahren durchgeführt werden muss. Daraufhin hat das schon zuvor beteiligte Innenministerium die Abschiebung gestoppt. 5 Minuten vor 12 konnte die Abschiebung somit verhindert werden.
(09.07.2009 20:44) Herr R. ist seit einiger Zeit mit seiner deutschen Freundin verheiratet, die ein Kind von ihm hat. Beide wünschen sich nichts mehr, als zusammen in Deutschland in Ruhe leben zu können und sich eine gemeinsame Perspektive aufzubauen. Doch Herrn R. wurde eine 8 Jahre zurück liegende Straftat zum Verhängnis. Er wurde am 10.09.2009 nach Kamerun abgeschoben.
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(08.07.2009 23:02) Herr T. kam 2004 nach Deutschland, weil er fürchten musste, in Indien ermordet zu werden. Er floh, weil er nach einer Liebe zu einer Frau von der Rache ihres Ehemanns bedroht war. Er war deswegen auf einer Polizeiwache von Freunden des Ehemanns misshandelt worden. Es sei ihm zudem ein mit unzutreffenden Anschuldigen begründeter Haftbefehl gegen ihn gezeigt worden. Nach Einschätzung seines Anwalts wurde sein erster Asylantrag nicht ordentlich behandelt. Obwohl er eine Revision des Asylverfahrens anstrebte, wurde Herr T. entgegen anders lautender Absprachen Anfang Juli abgeschoben.
(08.07.2009 10:38) Herr Osuwu ist aus Ghana auf dem Seeweg nach Italien gereist. Wie viele andere hat auch seine Ehefrau die gefährliche Einreise nach Europa per Boot nicht überlebt. Trotz dieser Tragödie ist er nach der Ankunft in Italien nur kurzzeitig versorgt, danach jedoch weggeschickt worden. Er war dann über ein Jahr obdachlos und in einem direkten Überlebenskampf bevor er nach Deutschland kam, wo er wenig später inhaftiert wurde.
(03.07.2009 10:10) Seit mehreren Wochen haben wir Herrn H. aus Bosnien besucht. Er ist seit Jahren mittellos und mit dem Fahrrad durch Europa unterwegs. Er floh vor dem Jugoslawienkrieg und dessen Folgen, später erkrankte er an Kehlkopfkrebs. Nach einer ersten Operation in Bosnien versucht er seither eine Nachuntersuchung und Folgebehandlungen zu erhalten. Doch bisher wurde er immer nur eingesperrt und abgeschoben.
(25.06.2009 13:59) Am Dienstag der Vorwoche trafen wir in der Abschiebehaft Rottenburg den jungen Vater Muadin Feizulaxi. Zusammen mit seiner Familie ist er vor 10 Monaten aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Frankreich geflohen. Nachdem sein Antrag dort abgelehnt wurde, versuchte er in Freiburg als Flüchtling Anerkennung zu finden. Statt Schutz zu erhalten wurde er jedoch einen Tag nach Antragstellung in Haft genommen und von seinen zwei- und vierjährigen Kindern getrennt.
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(16.06.2009 17:02) Herr Wangdi floh als Anhänger der „freedom fighters“ aus Bhutan, da für in Gefahr für Leib und Leben bestand. Seine Freunde sind gefoltert worden und er hat die Namen von Freunden auf einer Liste eines Gefängnis entdeckt, die er uns zeigte. Obwohl er bereits 6 Jahre in Deutschland lebt, wurde er zur Ausreise gezwungen. Nach Asylantrag in der Schweiz, dortiger Abschiebehaft und Rückschiebung, war er seit Ende Mai in Rottenburg inhaftiert. Zusammen mit der Inhaftierung in der Schweiz war er 237 Tage in Haft bevor, er am 20.8.2009 entlassen wurde.
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(20.05.2009 21:22)
Nach anderthalb Monaten Inhaftierung in der JVA Rottenburg wurde am 14. Mai ein türkischer Kurde in die Türkei abgeschoben. Seiner Verzweiflung hatte er zuvor in einem Brief zum Ausdruck gebracht, den er uns bat zu veröffentlichen. Im Folgenden ist die deutsche Übersetzung des Briefes wiedergegeben.
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(12.04.2009 11:23) Am 17.03.2009 trafen wir in der Abschiebehaft Herrn N.. Er erzählte uns, dass er mit einer zum Schutz gefälschten Identität aus Simbabwe in die EU eingereist ist. Als Angehöriger der Oppositionspartei MDC sei er akut von poltischer Verfolgung betroffen gewesen. Deshalb hat er hier einen Asylantrag gestellt - allerdings unter seiner Schutzidentität und der Angabe aus Nigeria gekommen zu sein. Dieser Asylantrag sei abgelehnt worden.
(31.03.2009 20:10) Am Sonntag 1.3.09 sind in der Abschiebehaft Rottenburg 12 Häftlinge in Hungerstreik getreten. Zwei angebliche Initiatoren wurden darauf hin am Dienstag 3.3.09 in die JVA Mannheim verlegt. Am Mittwoch erreichte uns aus Mannheim ein Fax, in dem sie ankündigten, dass sie sich durch die Verlegung nicht einschüchtern lassen wollen. Mittlerweile wurden einige der Beteiligten aus Rottenburg abgeschoben. Die in Mannheim Inhaftierten kämpfen jedoch nach wie vor dafür, in Deutschland zu bleiben.
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(10.02.2009 11:59) Herr E. ist nach dem gambischen Militärputsch nach Deutschland geflohen. Er lebte bereits seit 7 Jahren in Deutschland, hatte hier viele Freunde und einen Sohn, den er finanziell unterstützte. Dennoch wurde er nach Gambia abgeschoben.
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(09.02.2009 23:35) Nachdem er zehn Jahre lang in Deutschland gelebt hat, kam ein junger Türke in Abschiebehaft, weil sein Visum abgelaufen war.
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(09.02.2009 22:24) Ein georgischer Mann ist nach sechs Monaten Abschiebehaft freigekommen, weil für ihn keine Reisedokumente beschafft werden konnten. Sein ebenfalls georgischer Zellengenosse war zuvor nach Rumänien zurückgeschoben worden.
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(03.02.2009 18:42) Erstmals Mitte Dezember trafen wir in der Abschiebehaft Herrn V. aus Russland. Er musste unter äußerst schwierigen Bedingungen aufwachsen und hat im Leben bisher viel Pech gehabt. Er hatte uns gebeten, seinen offenen Brief zu veröffentlichen, in dem er selbst seine Situation schildert. Mittlerweile wurde er nach Russland abgeschoben!
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Seit 2 Jahren nun schon lebt die Familie in einer schwäbischen Kleinstadt. Auf den ersten Blick unterscheidet sie nichts von vielen anderen Familen. Sie haben eine Wohnung, beide Elternteile arbeiten und die Kinder gehen zur Schule. Doch die Familie ist illegal.
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(13.01.2009 12:48) Aktuell trafen wir in der JVA Rottenburg den Tübinger Herrn K. Nachdem er 6 Jahre als Industriemechaniker gearbeitet hatte, wurde er wegen verschiedenen Delikten wie minderschwerer Körperverletzung, Diebstahl und Sachbeschädigung inhaftiert.
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(19.11.2008 15:00) Eigentlich wollte der 24-jährige Christ nur seine Ausbildung als Prediger beenden. Dennoch war er von der Abschiebung nach Nigeria bedroht. Nach 41 Tagen wurde er aus der Haft entlassen.
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(06.11.2008 23:15) Ein 19-jähriger aus dem Irak (Mosul), der durch den Krieg Familie und Haus verloren hat, wartet nun auf seine Anhörung im Asylverfahren. Im Oktober 2006 flüchtete er nach Schweden. Da die Unterbringung für ihn dort aber unerträglich war, hat er den Ausgang des Asylantrags nicht abgewartet und ist nach Deutschland eingereist.
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(23.10.2008 17:28) Bei unseren Besuchen in der Abschiebehaft schockiert uns besonders, daß viele der Inhaftierten schon sehr lange in Deutschland leben. In unserer offenen „Gesprächsgruppe“ Anfang der Woche baten uns Herr Nasiri und Herr Arezki um die Veröffentlichung ihrer Geschichte.
Herr Zirmi Arezki kam vor vielen Jahren aus Algerien nach Deutschland. Der 41-Jährige hat 11 Jahre ohne Papiere in Karlsruhe gelebt und gearbeitet.
(07.06.2008) Abdurrahman Adigüzel ist seit vielen Jahren in der kurdischen Oppositionsbewegung tätig. Seit 2006 lebt er in Deutschland als Asylbewerber. Obwohl sein Verfahren beim Stuttgarter Verwaltungsgericht noch läuft, wurde er Anfang Mai verhaftet und in den Rottenburger Abschiebegefängnis gebracht. Kurz darauf begann er seinen Hungerstreik.
Nach 4 Wochen Hungerstreik wurde Abdurrahman Adigüzel nun vom Rottenburger Abschiebegefängnis in das Vollzugskrankenhaus Hohen Asperg verlegt.
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(08.10.2008 11:03) Am 7.10.2008 wurde Fahri Berisha in den Kosovo abgeschoben. Der Roma war am 28.8.2008 mit seiner Familie in Frankreich inhaftiert worden und daraufhin knapp 6 Wochen in Abschiebehaft. Anfang 2008 war dem mehrfachen Vater und seine Familie die Abschiebung angedroht worden, obwohl er seit 17 Jahren in Deutschland gelebt hatte.
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(15.11.2008 13:00) Im Abschiebegefängnis Rottenburg versuchte Ali Bal Anfang August sich umzubringen, in dem er Teile seiner Zelleneinrichtung in Brand setzte. Er wurde daraufhin in Untersuchungshaft genommen. Trotz seiner psychischen Situation, die eine Haftentlassung nahelegte, wurde er am 28.8.2008 direkt aus dem Gefängniskrankenhaus Hohenasperg in die Türkei abgeschoben - nach 10 Jahren in Deutschland. Dort wurde er zum Militär eingezogen und hat erneut versucht, sich umzubringen.
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(12.09.2008 09:12) Wie wir erfahren haben, kam es - entgegen allen Prognosen - zur Abschiebung eines seit 17 Jahren in Deutschland lebenden jungen Mannes. Wir hatten ihn zuvor mehrfach besucht und hätten nicht damit gerechnet, dass er wirklich abgeschoben wird. Offensichtlich ist dem Eilantrag empörenderweise nicht stattgegeben worden. Wir sind schockiert und werden - nach Rücksprache mit ihm - reagieren.
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