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Bündnis gegen Abschiebehaft Rottenburg / Tübingen |
(30.09.2009 15:03) Am 30.9.2009 wurden die 14 verbliebenen Abschiebehäftlinge aus Rottenburg nach Mannheim verlegt, wo nun das letzte Abschiebegefängnis für Männer in Baden-Württemberg steht. Die Barbarei endet in Rottenburg, wird aber in Mannheim unverändert fortgesetzt. Wir ziehen aus diesem Anlass ein Resümee und erinnern an die zahlreichen Tragödien in Rottenburg. Ab 10 Uhr werden wir auf dem Marktplatz in Rottenburg eine Mahnwache abhalten.
Wir arbeiten darüber hinaus an einem Abschlussbericht über die Arbeit unserer Gruppe, auf den wir nochmals gesondert hinweisen werden.
Durch einem SWR-Bericht haben wir erfahren, dass sich im Jahr 2009 ein Mensch aus Angst vor der drohenden Ausweisung/Abschiebung in seiner Zelle erhängt hat. Wir sind darüber äußerst betroffen, traurig und wütend!
1993 wurden die ersten Abschiebehäftlinge in der Justizvollzugsanstalt Rottenburg a.N. inhaftiert. Von Anfang an wurden die Institution Abschiebehaft und die spezielle Situation in Rottenburg als besonders unmenschlich kritisiert.
Zu erinnern ist z.B. an Margret Marquart, die aus Wut über die dort herrschenden Bedingungen 1996 ihr Bundesverdienstkreuz zurück gab. Seither erschienen Hunderte von Zeitungsartikeln, Radioberichte, Dokumentarfilme, die die Bedingungen im Gefängnis Rottenburg zum Thema hatten. Unzählige Demonstrationen, Unterschriftensammlungen, Mahnwachen dokumentieren eine über 15 Jahre anhaltende Empörung.
Anfang Oktober 2009 wird dieses “Gefängnis im Gefängnis” nun endgültig geschlossen. Allerdings nicht, weil Argumente überzeugen konnten oder der öffentliche Druck Wirkung zeigte, sondern aus Kostengründen.
Die Abschiebehäftlinge werden nach Mannheim verlegt, wo der Anstaltsbetrieb nahezu unverändert fortgesetzt wird.
Seit 1993 gibt es auch das “Bündnis gegen Abschiebehaft” als Organisation der GegnerInnen von Abschiebehaft. Wir haben die Inhaftierten durch Anwaltsvermittlung und eine wöchentliche Besuchsgruppe unterstützt. Zentral war für uns zudem, Aufmerksamkeit auf die versteckten Schicksale hinter den Gefängnismauern zu lenken.
Über Jahre mussten wir schwere Menschenrechtsverletzungen an Abschiebehäftlingen beobachten. Damit meinen wir nicht nur die Haftbedingungen und einzelne skandalöse Vorkommnisse in der Haft, sondern die gesetzlich gedeckte, systematische Missachtung grundsätzlicher Menschenrechte.
Über die Schließung und unsere Kritik an der Abschiebehaft berichteten auch das Schwäbische Tagblatt, SWR International, das Freie Radio für Tübingen/Reutlingen und der SWR Tübingen.